Kaffee: Himmel oder Hölle?

Was für den einen zur morgendlichen Routine gehört, ohne die man nicht richtig wach wird, ist für den anderen ein sehr heikles Thema. So auch für mich, ich liebe Kaffee und ich hasse Kaffee.

Es gibt nichts, was mehr das italienische Flair ausdrückt wie im Sonnenschein, in einer gemütlichen Gasse, mit Blick auf das Geschehen in der Menge, einen Cappuccino, Latte Macchiato oder Espresso zu trinken. Kann man sich einen besseren Start in den Morgen vorstellen? Ich persönlich nicht. Das Koffein gibt den Kick, die Sonne die Motivation und die Kombination aus beidem ein Gefühl von Freiheit. Während manche jedoch mehrere Tassen am Tag davon trinken können, ohne auch nur den geringsten negativen Effekt zu verspüren, so ist es bei mir relativ tagesabhängig, wie ich darauf reagiere. Kaffee also als mein persönliches Glücksspiel?

Ich verstehe, dass es Menschen gibt, die Koffein nicht vertragen, somit immer aufpassen müssen (sei es in Cola, Schwarztee usw.). Dafür gibt es zum Glück die Methode des entkoffeinierten Kaffees. Was aber wenn der Kaffee manchmal wirkt wie er soll und an anderen Tagen die nächsten 12 Stunden ruiniert? Wer mir dieses Rätsel lösen kann, darf sich gerne melden, ansonsten wird es für mich wohl ewig unerklärlich bleiben. Um Leidensgenossen zu finden, werde ich im Folgenden genauer erklären, wie die verschiedenen Auswirkungen sich bei mir zeigen.

Während ich vor wenigen Jahren noch ohne Zweifel jede mögliche Art von Koffein im Café bestellen konnte, muss ich inzwischen vor der Bestellung immer in mich hinein fühlen und mich fragen: Geht das heute in Ordnung? Wie geht es mir? Kann ich mich darauf verlassen, dass es mir danach noch immer gut geht? Und auch wenn ich mich dann dafür entscheide, gibt es immer wieder Überraschungen. Das Phänomen: Im Urlaub, in Italien, kann ich zu neunzig Prozent immer dann Kaffee trinken, wenn mir gerade danach ist, ohne Zweifel! Nur allzu selten ist es mir danach schlecht gegangen. Deswegen trinke ich auch zuhause inzwischen nur noch einen selbst importierten italienischen Kaffee, immer kann ich mich darauf jedoch leider auch nicht verlassen. Das lustige ist, sobald ich mir einen Iced Latte Macchiato zubereite, den Espresso also kalt verarbeite, habe ich das Gefühl, dass die Wahrscheinlichkeit der Verträglichkeit viel höher ist.

Sobald sich unter den positiven Tagen dann ein negativer zeigt, wirkt sich das folgendermaßen aus: ich fange an zu zittern, mir wird übel, Appetitlosigkeit breitet sich aus, mir wird allgemein komisch und die Chance, abends gemütlich einzuschlafen geht gleich null. Alles nur eine Kopfsache? Kann sein: Denn es klingt doch tatsächlich komisch, im Urlaub ist Koffein kein Problem, ebenso wenn es in kalter Form getrunken wird. Im Urlaub ist man bekannterweise entspannter, positiver und ausgeglichener. Der Placeboeffekt, also die psychologische Wirkung eines Hilfsmittels in der Medizin, ist auch weit bekannt. Ist also der kalte Kaffee mein persönliches Placebo? Meine eigene Möglichkeit, meinem Kopf einzureden, dass es mir danach auch noch gut gehen wird, nur weil es mir, zufälligerweise, nach den ersten paar Malen, tatsächlich durchgängig auch danach noch gut gegangen ist?

Ich gebe ja zu, es ist alles sehr mysteriös. Aber die einzige Möglichkeit, es weniger rätselhaft aussehen zu lassen ist eben die Kopfsache! Es ist ein interessantes Thema, die Stärke des eigenen Kopfes und eine gleichzeitig viel unterschätztes.

Das neueste aus der Rubrik Stories