Keine Azubis im Handwerk? Von wegen!

Uwe Maier leitet seit über 25 Jahren sein Holzbauunternehmen in Aufhausen. Über zu wenige Auszubildende kann er sich nicht beklagen. Er glaubt auch nicht,dass seine Lehrlinge eine andere Arbeitsmoral haben wie er selbst in dem Alter.

Wie viele Azubis bildet ihr denn gerade aus?

Uwe Maier: Wir haben vier, die jetzt fertig sind. Im zweiten Lehrjahr sind es nochmal vier und Neuzugänge kommen jetzt zwei. Einer von den beiden macht ein Studium, zu dem die Lehre gleich dazugehört.

Wenn die jungen Zimmermänner fertig sind, bleiben sie aber nicht alle bei dir, oder?

Nein natürlich nicht. Viele studieren oder haben andere Pläne und das ist auch gut so. Ich habe das meistens im Fingerspitzengefühl und weiß schon vorher, wer mir bleibt. Und falls das doch einer mehr ist, ist das auch in Ordnung. Mittlerweile könnte ich mir auch vorstellen, jemanden zu behalten, der noch weitermacht. Der dann Pläne zeichnet oder ähnliches.

Welche Aufgaben reizen die jungen Lehrlinge am meisten?

Ich hole mir gerade viel Arbeit in die Halle. Dort wird viel vorbereitet. Die Lehrlinge wollen das aber nicht. Die Jungen wollen aufs Dach. Die wollen auf den Kirchturm, da oben schaffen ohne T-Shirt. Das ist gut, denn dann kann ich ältere Kollegen hier im Betrieb arbeiten lassen, die nicht mehr jeden Tag auf ein Dach klettern wollen.

Habt ihr Schwierigkeiten, Azubis zu finden?

Nein, eigentlich nicht. Ich muss oft guten Leuten absagen. Auch für nächstes Jahr gibt es schon wieder Bewerber.

Was hältst du von der Verkürzung der Lehrzeit für Abiturienten oder nach einer vorangegangenen Ausbildung?

Die einzigen Gründe für die Verkürzung sind, dass die Jungen schneller Gesellen sein wollen und schneller mehr Geld verdienen wollen. So hat man aber auch viel schneller richtig Stress. Wenn du zu früh als Geselle allein auf eine Baustelle kommst, bist du unter Umständen richtig aufgeschmissen. Wenn man mit 21 Jahren schon Ingenieur ist und in einen Betrieb kommt, erwarten die Kollegen viel. Man hatte aber nie die Zeit, alles von Grund auf zu lernen. Zeit zu haben in der Lehre, ist ein Privileg. Es darf nicht nur um den Titel gehen.

Was ist das Schönste am Zimmermannsberuf?

Schon alleine der Werkstoff Holz ist genial. Sauber, trocken, natürlich. Außerdem sind die Weiterbildungsmöglichkeiten genial. Man kann zum Beispiel leicht Architekt oder Bauingenieur werden. Der Zimmermann hat den vollen Durchblick. Wir bauen komplette Häuser und müssen uns zumindest auch Gedanken machen über Statik, Raumaufteilung, Elektrik, Installateursarbeiten und so weiter.

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