Kuriose Geschichten aus dem Krankenhaus

6 Uhr morgens, flackernde Neonröhren, alles schimmert in weißem Licht: So beginnt eine typische Frühschicht für die angehende Krankenschwester Pia Leonhardt. Die 20-Jährige macht im Klinikum Heidenheim ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und befindet sich gerade im letzten von insgesamt drei Ausbildungsjahren. Während ihrer Ausbildung erhält sie Einblicke in die verschiedenen Fachabteilungen des Klinikums. Der Ablauf ist von Station zu Station immer etwas anders. Typischerweise beginnt Pias Tag aber mit der Übergabe der Nachtschicht an die Frühschicht. Dabei wird berichtet, was über Nacht vorgefallen ist und ob auf besondere Dinge zu achten ist.

Die meisten Abteilungen beginnen ihren Morgen dann mit der Grundpflege der Patienten. Danach bekommen diese ihr Frühstück und warten auf die Visite. Das ist der Besuch des Arztes, um die Patienten nach ihrem Befinden zu fragen. Anschließend folgt für die Krankenpfleger die Visitenausarbeitung. Das bedeutet, die Anordnungen des Arztes nach seiner Visite werden ausgeführt. Im Anschluss gibt es Mittagessen – dann ist meist auch schon der Zeitpunkt gekommen, an dem die Frühschicht ihre Arbeit an die Spätschicht übergibt.

„Der Beruf ist abwechslungsreich und spannend, außerdem ist man den Patienten nahe und es ist ein schönes Gefühl, Menschen auf dem Weg ihrer Genesung zu begleiten“, berichtet Pia. Neben Waschen und Essenausteilen gehört es auch zu ihren Aufgabengebieten, Verbände zu erneuern, Blut abzunehmen und Medikamente herzurichten. „Klar, manchmal ist die Arbeit anstrengend, aber diesen Job wollte ich immer machen, zudem gibt es immer ein paar schöne Geschichten zu erzählen.“

Das Gebiss unter der Bettdecke

Eine dieser Geschichten dreht sich um eine von Pias Patientinnen, die sie aus datenschutzrechtlichen Gründen einfach nur Frau X nennt: „Einmal wollte ich nach Frau X sehen und mir ist dabei aufgefallen, dass sie keine Zähne im Mund hatte – ihr Gebiss fehlte.“ Als Pia Frau X dann fragte, wo denn deren Zähne seien, meinte diese nur: „In meinem Mund natürlich.“ Doch dort waren die Zähne nicht. Als Pia ihr das sagte, erwiderte Frau X nur: „Oh.“ „Solche Sachen erleben wir oft. Die Zähne von Frau X haben wir später unter ihrer Bettdecke gefunden, keiner weiß aber, warum und wie das Gebiss dahin gekommen ist.“

Die drei verschwundenen Damen

Pia erzählt weiter: „Ein anderes Mal hatte ich Spätschicht. Eine Kollegin und ich haben unseren Rundgang gemacht, um zu schauen, ob es allen Patienten auch gut geht, und um uns den neuen Patienten vorzustellen.“ Als die beiden Zimmer drei betraten, bekamen sie einen Schreck: Die Patientin fehlte. Schnell gingen die beiden ein Zimmer weiter, um nachzusehen, ob die Patientin vielleicht ihren Zimmernachbarinnen einen Besuch abstatten wollte. Doch als die beiden jungen Frauen Zimmer vier betraten, fehlten auch die beiden dort untergebrachten Patientinnen.

„Mein erster Gedanke war: Wo könnten sie nur sein? Und warum sind alle drei auf einmal verschwunden?“ Dann begann die Suche nach den Vermissten. Pia und ihre Kollegin liefen durch die Station. In der Verteilerhalle, die das Bindeglied zwischen verschiedenen Stationen ist, fanden sie eine der Patientinnen aus Zimmer vier. Sie döste auf einem Stuhl vor sich hin.

„Ich habe sie aufgeweckt und gefragt, ob ich sie auf ihr Zimmer begleiten darf, damit sie sich da weiter ausruhen kann. Auf dem Weg zurück bin ich dann auf die Patientin aus Zimmer drei getroffen.“ Diese habe nur ein wenig spazieren gehen und sich die Beine vertreten wollen, habe sich aber in den Fluren verlaufen. „Sie war heilfroh, dass ich sie zusammen mit der anderen Patientin und meiner Kollegin zurück auf ihr Zimmer geführt habe.“

Als die verschwundene Dame wieder auf ihrem Zimmer war, wollten Pia und ihre Kollegin die andere Patientin aus Zimmer vier zurückbringen und anschließend weiter nach der letzten verschwundenen Frau suchen. Doch als die drei Zimmer vier betraten, war das mittlerweile gar nicht mehr nötig: Die letzte verschollene Patientin lag friedlich in ihrem Bett. Sie sei nur kurz auf der Toilette gewesen, als die beiden Krankenschwestern zum ersten Mal das Zimmer betreten hatten. In der Zeit, in der sie nach den drei Frauen gesucht hatten, war sie wieder zurück in ihr Bett gestiegen.

Trotz all dieser kuriosen Erlebnisse ist Pia gern Krankenpflegerin: „Der Job macht einfach Spaß. Jeden Tag erlebt man etwas anderes, keiner ist wie der andere. Es ist einfach schön zu wissen, dass man Menschen hilft, und ich bin glücklich, dass ich bei meiner Berufswahl diesen Weg eingeschlagen habe.“

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