„Miss Baden-Württemberg“: Eine Heidenheimerin ist die Schönste im ganzen Land

„Ich mag es, Dinge in Einklang zu bringen, die auf den ersten Blick gegensätzlich wirken.“ Und genau dafür seien Misswahlen, bei denen schön gekleidete Mädchen bewertet werden und gegeneinander antreten, besonders gut geeignet. Das sagt zumindest die 17-jährige Océane Delin, die sich aus diesem Grund bei der „Miss-Schwarzwald-Teen-Wahl“ bewarb. Die Mutter der Halb-Französin hat ihre Wurzeln in Heidenheim, weshalb die 17-jährige auch eine Verbindung zur Stadt hat. Derzeit wohnt sie aber in Lörrach.

Den Wunsch, zu modeln, verspürt Océane erst seit etwa einem Jahr. Ihre Mutter erzählte der 17-Jährigen, von der „Miss-Schwarzwald-Wahl“ für Teenager, worauf hin sich Océane entschied, dort mitzumachen. Ganz spontan meldete sie sich online für den Schönheitswettbewerb an. „Schon bei der Anmeldung wurde nach Fotos gefragt, nach Körpermaßen, der Augenfarbe – eben wie bei einer Bewerbung bei einer Modelagentur“, erzählt sie. „Die ‚Miss-Schwarzwald-Teen-Wahl‘ schien für mich perfekt, da sie regional ist, aber trotzdem eine größere Reichweite hat.“ Die erste Miss-Wahl brachte gleich den ersten Erfolg. Océane holte den Sieg im Schwarzwald und wurde nach Düsseldorf zur „Miss-Baden-Württemberg-Wahl“ für Jugendliche eingeladen.

„Meine Mutter unterstützt mich bei allem, wozu ich Lust habe, und wovon sie weiß, dass es mein Ziel ist“, sagt Océane. Ihr Vater stand dem ganzen eher kritisch gegenüber. „Er dachte, ich würde nicht gewinnen.“ Ihren ganzen Freunden erzählte die 17-Jährige nichts von ihrer Bewerbung bei der Misswahl – bis zu ihrem Sieg der „Miss-Baden-Württemberg-Wahl“ in Düsseldorf. „Ich wollte keine Erwartungen wecken. Außerdem finde ich es schwierig zu erzählen, dass man sich für einen Schönheitswettbewerb angemeldet hat, ohne überheblich zu wirken.“ Nach dem Erfolg reagierten die Freunde dann positiv. „Meine engsten Freundinnen haben sich sehr für mich gefreut, manche haben aber auch neutraler reagiert. Den meisten konnte ich das alles noch gar nicht persönlich erzählen.“

Trotz aller Freude hätte Océane fast nicht teilgenommen. „Das lag vor allem am ersten Teil der Wahl, nämlich dem Walk im Bikini. Das hat mich schon ziemlich abgeschreckt.“ Der zweite Teil der Wahl bestand aus der Vorführung einer selbstgewählten Abendgarderobe. Océane musste also ein Kleid kaufen, sich die Haare frisieren und sich um ihr Make-up kümmern. „Das war für mich eines der schwersten Dinge. Ich habe mich davor noch nie geschminkt und musste mir alles selbst beibringen. Dafür habe ich sehr viele Tutorials geschaut“, lacht sie. Auch die Beschaffung des Kleides war eine Aufgabe für sie: „Ich habe ein Second-Hand-Kleid bekommen. Das war selbstgenäht im Stil der 50er.“ Océane unterstützt das Prinzip. „Das ist die umweltfreundlichste Möglichkeit, Klamotten wieder zu verwenden. Dahinter stehe ich“, erklärt sie. Die nächste Hürde folgte sogleich: Das Laufen auf hohen Absätzen will nämlich geübt sein. „Es ist zwar eine gute Übung, mit hohen Schuhen durch die Stadt zu laufen, unangenehm ist es aber trotzdem.“

Vor dem Wettbewerb gegen etwa acht Konkurrentinnen war Océane sehr nervös. „Erstaunlicherweise“, sagt sie, „war ich während des Laufens aber ziemlich ruhig. Genauso wie bei der Verkündung, dass ich gewonnen habe. Eigentlich war ich nur müde und wollte schlafen. Gefreut habe ich mich natürlich trotzdem. Auch wenn ich dabei sehr hungrig war.“  Eine Diät hatte Océane vorher nicht gemacht und auch nie extra Sport betrieben. „Ich bin Vegetarierin, ernähre mich aber vorzugsweise vegan. Sport mache ich nicht, obwohl ich weiß, dass es gesund wäre“.

An einem anderen Schönheitswettbewerb teilnehmen möchte Océane zurzeit nicht. „Ich bin Mitorganisatorin bei der „Fridays-for-Future“-Bewegung, Jugendbotschafterin von Unicef und Hobbies habe ich auch noch, wie zum Beispiel Cello spielen und ich singe im Chor. Außerdem bin ich jetzt in der elften Klasse. Das Abitur rückt näher“, zählt sie die aktuell wichtigeren Dinge auf. Wichtig sind ihr außerdem der Umweltschutz und der Fair-Trade-Gedanke. Die Misswahlen und nachhaltige, faire Mode stehen bei ihr im Gegensatz, weshalb sie es mag, beides zu vereinen. Vor ihrer Misswahl hat sie schon für das Label „Made in Freedom“ gemodelt. Die Kleider werden von Frauen produziert, die aus der Sexsklaverei befreit wurden und setzt sich gegen diese Form der Gewalt ein.

Als Kind wurde Océane für ihr Aussehen ausgelacht. „Der Sieg bei der Miss Baden-Württemberg Wahl ist für mich eine Revanche, eine passive Rache.“ Und Sie schmiedet weiter Pläne und setzt diese auch um, wie zum Beispiel im September 2019: „Beim Schülerklimagipfel habe ich vor tausenden von Schülern gesprochen und mich für die Umwelt einsetzen“.

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