Organspendeausweis

Um die Koordination von Organspenden nach dem kümmert sich in Deutschland die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Sie wurde am 7. Oktober 1984 gegründet. Mittlerweile hat die gemeinnützige Stiftung über 1 000 Mitarbeiter und beantwortet ebenso die wichtigsten Fragen zu Organtransplantationen und dem Organspendeausweis:

Genügt der Organspendeausweis als Rechtsgrundlage für eine Organentnahme?

Ist das Einverständnis des Verstorbenen dokumentiert, so ist eine Organentnahme rechtlich zulässig. Bei vorliegendem Organspendeausweis werden die Angehörigen nicht gefragt, sondern nur über die Organspende informiert.  Der Wille des Verstorbenen hat Vorrang.

Gibt es eine Altersgrenze für die Organspende?

Für die Organspende gibt es keine feststehende Altersgrenze. Entscheidend ist der Zustand der Organe. Dieser hängt jedoch nur bedingt vom Alter ab.

Wann dürfen Organe nach dem Tod eines Menschen entnommen werden?

Bevor Organe für eine Transplantation entnommen werden können, muss der Spender für Tod erklärt werden. Das ist die Person dann, wenn das Gehirn nicht mehr funktioniert. Außerdem muss eine schriftliche Einwilligung des Verstorbenen (Organspendeausweis) vorliegen oder eine vom Verstorbenen bestimmte Person oder die Angehörigen im Sinne des Verstorbenen einer Entnahme zustimmen.

Unter welchen Bedingungen ist eine Lebendspende möglich?

In Deutschland ist eine Organspende zu Lebzeiten nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades, unter Ehepartnern, Verlobten und unter Menschen möglich, die sich besonders nahestehen.

Welche Erkrankungen schließen eine Organspende aus?

Eine Organentnahme wird in der Regel ausgeschlossen, wenn beim Verstorbenen eine akute bösartige Tumorerkrankung oder ein positiver HIV-Befund vorliegen.

Ich bin noch nicht volljährig. Kann ich trotzdem einen eigenen Organspendeausweis ausfüllen?

Minderjährige können ab dem 16. Lebensjahr einer Organspende zustimmen. Dagegen kann man sich bereits ab dem 14. Lebensjahr aussprechen.

 Kann die Familie den Verstorbenen nach der Organentnahme nochmals sehen?

Die Familie kann in der von ihr gewünschten Weise Abschied von dem Verstorbenen nehmen. Nach der Entnahmeoperation wird die Operationswunde wieder verschlossen. Der Leichnam kann aufgebahrt werden und die Bestattung wie gewünscht stattfinden.

Welche gesetzliche Regelung gilt in Deutschland?

Seit November 2012 gilt in Deutschland die so genannte Entscheidungslösung. Alle sollen in die Lage versetzt werden, sich mit dem Thema Organ- und Gewebespende auseinanderzusetzen, um eine informierte und unabhängige Entscheidung treffen zu können. Auf gut Deutsch: Jeder hat die Möglichkeit, sich über Organspende zu informieren, wenn er das selber will. Dazu soll man ab 16 Jahren von der Krankenkasse Infomaterial bekommen. In einem Organspendeausweiß kann dann jeder dokumentieren, was mit den eigenen Organen passieren soll. In der Realität informieren sich aber die wenigsten jungen Leute selbstständig oder füllen den Ausweis aus. Seit 1997 gilt in Deutschland außerdem: Der Wille des Verstorbenen zu Lebzeiten hat Vorrang. Liegt keine Zustimmung vor, z.B. in Form eines Organspendeausweises, werden die Angehörigen gebeten, eine Entscheidung nach dem vermuteten Willen des Verstorbenen zu treffen. Hat der mögliche Organspender die Entscheidung auf eine bestimmte Person übertragen, tritt diese an die Stelle des nächsten Angehörigen.

 

Weitere Informationen:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) www.bzga.de oder www.organspende-info.de

Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) www.dso.de

Info-Telefon Organspende: 0800/90 40 400 (montags bis freitags von 9.00 bis 18.00 Uhr)

Ein Organspendeausweis kann auch online ausgefüllt werden.

 

Wichtigsten Zahlen

10 101 Menschen stehen in Deutschland auf der Warteliste für eine Organtransplantation. (Stand 31.12.2017)

7924 Patienten warten auf eine Nierentransplantation

81 Prozent der Deutschen stehen einer Organtransplantation laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung positiv gegenüber.

131.356 Organe wurden in Deutschland seit 1963 transplantiert.

3385 Organe wurden 2017 gespendet.

323 mehr Organe wurden 2016 im Vergleich zu 2017 gespendet.

88,8 Prozent der Nierentransplantationen verliefen 2017 erfolgreich.

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