Praktikant für einen Tag: Lernen, wo der Hammer hängt

Es kann manchmal schnell gehen und schon ist es passiert“, sagt Günter Bullok und nimmt den Akkuschrauber zur Hand. „Heb mal bitte die zwei Balken bündig“, sagt der Zimmermann zum unbedarften Praktikanten. Das Werkzeug heult auf und noch ein menschliches Heulen mischt sich dazu: Die Balken liegen perfekt aneinander. Nur dazwischen hängt ein kleiner Fetzen Haut. „Da siehst du mal“, sagt Bullok.

Kurz vorher sprach er noch von den Unfällen, die er als Zimmermann schon erlebt hat. Gefährlich sei der Job aber nicht. Auch wenn die Arbeit sich oft in luftiger Höhe auf den Dächern abspielt. Besonders gefährdet: die Hände. „Einmal habe ich mir einen Nagel durch zwei Finger geschossen“, erinnert sich der 55-Jährige. Im Krankenhaus musste er ewig warten, bis ein Kollege drängte: „Kann sich niemand um ihn kümmern? Ich brauche den Nagel.“ Bullok scherzt heute über den Unfall. Das aber auch nur, weil so etwas selten sei.

In Aufhausen hat die Firma Uwe Maier Holzbau ihren Sitz. In der Halle dort wird so viel wie möglich vorbereitet. Eine Holzdecke für ein Einfamilienhaus zum Beispiel. Neun Meter Seitenlänge sind dabei kein Problem. Meterhohe Tore führen in die Halle, in die ein Lkw problemlos ein- und ausfahren kann. Ganze Häuser sind hier drin schon entstanden. Überall riecht es nach Holz. Mit jedem Atemzug gelangt der Werkstoff in die Lungen. Auch Wände und Decke sind daraus.

Das Holz fliegt sogar durch die Halle: An der Decke surrt es und der Kran fährt auf seiner Schiene herbei. Ein Greifer kommt an vier Drahtseilen herab. Metallene Arme legen sich um einen zehn Meter langen Balken und fahren, das Holz im Klammergriff, wieder auf. Auch die Arbeit mit großen Maschinen gehört dazu. An einem Ende justiert Bullok, sodass der schwebende Balken nachher perfekt an seinem Platz sitzt. Zu zweit geht die Arbeit schnell. Nochmal nachmessen: Der Meterstab steckt immer im Gürtel, genauso wie ein Zimmermannshammer und eine Handvoll Nägel. Passt alles. Die Decke wird verschraubt. Wo es nicht ganz passt, wird nachgeholfen. Holz sei formbar und deshalb so interessant.

Bis zur Mittagspause ist der erste Teil geschafft. Verladen ist angesagt. Und dann geht es direkt auf die Baustelle. Das vorbereitete Modul wird praktisch nur noch eingesetzt. Bulloks Job ist getan. Die jüngeren Kollegen arbeiten jetzt mit dem, was sie von ihm bekommen.

Einer der aktuellen Auszubildenden, die die vorbereiteten Teile in Empfang nehmen, ist Lukas Schmid. Kräftige Arme, große Hände und schon voll in den Betrieb eingebunden – aber erst 18 Jahre alt. „Wir wurden von Anfang an voll eingesetzt und durften eigentlich alles machen“, erinnert sich der Lehrling an sein erstes Jahr im Betrieb. Gerade kommt er von einer Baustelle, auf der er mit einem anderen jungen Kollegen alleine arbeitete. „Interessant an meinem Ausbildungsbetrieb war für mich vor allem, dass auch Holzhäuser gebaut werden. In anderen Firmen hätte ich vielleicht nur Fenster eingebaut“, freut er sich über seinen Job. Bleiben wird er auf lange Sicht aber trotzdem nicht. Auch sein Vater hat einen Zimmermannsbetrieb, in den er irgendwann einsteigen möchte.

Das ist aber auch gar nicht weiter schlimm, findet Uwe Maier und erklärt: „Von drei Lehrlingen bleibt mir am Ende einer. Das ist aber auch gut so, sonst hätte ich schnell zu viele Mitarbeiter.“ Viele kämen mit „Top-Noten“ vom Gymnasium zu ihm, die meisten aber mit dem Plan, ein Studium an die Ausbildung anzuschließen. „Ich will einfach nur, dass sie bei mir gescheit lernen. In der Ausbildung darf man Fehler machen, später nicht mehr“, begründet der Zimmermannsmeister, wieso er eine Verkürzung der Ausbildung für Abiturienten nicht für sinnvoll hält.

Ob zwei oder drei Jahre, im Fokus stehe immer erstmal das Tagwerk. Und das kann gerade im heißen Sommer mitunter schlauchen. Nachmittags geht es raus aus der Halle und in die pralle Sonne. Die Luft steht, die Laune sinkt. Vereinzelt schieben sich für wenige Minuten Wolken vor die Sonne. Vermessen ist angesagt, auch das gehört dazu. Zum Glück weht zwischendurch ein wenig Wind. In Aufhausen endet der Tag mit kühlen Getränken und ausnahmsweise einem Bier vom Chef.

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