Ran an die Kochlöffel

Es herrscht reger Betrieb in der Schulküche der Steinheimer Hillerschule: Überall flitzen Kinder in Schürzen und großen weißen Kochmützen umher. „Wo ist das Sieb?“, fragt einer. „Ich brauch noch mehr Orangen“, ruft ein anderer. Hier findet das Projekt Kooperative Berufsorientierung für Zugewanderte statt – kurz „Koobo-Z“. Durch praxisnahe Aufgaben sollen Kindern zwischen elf und 14 Jahren verschiedene Berufsfelder nähergebracht werden. „Die Schüler sollen nicht nur trockene Theorie pauken“, erklärt Angelika Leinweber, Leiterin des Projekts und Angestellte bei BBQ Berufliche Bildung in Aalen, welche die Aktion an der Hillerschule veranstaltet.

„Koobo-Z“ richtet sich an Kinder mit Migrationshintergrund, die erst seit kurzem in Deutschland leben. Finanziert wird das Programm, das erstmals im Jahr 2016 Premiere hatte, von dem Land Baden-Württemberg. Ob Kochen, Gärtnern oder Metallverarbeitung – „wir wollen den Kindern qualifizierte Handwerksberufe vorstellen“, berichtet Leinweber. Jeweils drei Monate wird ein Themenblock in den Klassen behandelt, in dieser Zeit trifft sich die Gruppe einmal pro Woche zu Praxisübungen.

In der Hillerschule sind derzeit rund ein Dutzend Schüler in der Küche zugange. Zusammen mit Chris Stropek, Koch bei Gusto Gourmet, und der Inhaberin der Kochschule Hageney, Christiane Schöffner, stellen sie ein eigenes Menü auf die Beine: Crispy Chicken Hawaii Burger, Kartoffel-Wedges, Obstspieße und Chocolate Chip Cookies sind auf dem Speiseplan.

Jeder bekommt eine Aufgabe

Während der eine sich um das Anbraten der Ananasscheiben kümmert, tunkt der andere Obstspieße sorgfältig in Schokolade und garniert sie mit kunstvollen Deko-Elementen. Ein Mädchen wagt sich derweil an die selbstgemachte Mayonnaise. Unter der Anleitung von Chris Stropek vermischt sie langsam Olivenöl mit Eigelb, bis die klassische cremige Konsistenz entsteht.

„Unser Ziel ist es, die Vielfältigkeit des Kochberufs zu vermitteln und das Berufsleben in Deutschland darzustellen“, sagt Angelika Leinweber. Es seien zwar „kulturelle Unterschiede“ bei den Kindern, die aus Serbien, Bosnien, Syrien und Kroatien stammen, spürbar, die Schüler zeigen sich laut der Leiterin jedoch als sehr wissbegierig. Neben dem Kennenlernen bestimmter Berufsfelder beinhaltet „Koobo-Z“ auch die Vermittlung von Alltagskompetenzen sowie ein kleines Bewerbungscoaching

Für die Schüler, die dem Projekt von der Schulleitung zugewiesen werden, ist das Programm Pflicht. „Klassenarbeiten haben an diesen Tagen aber Vorrang“, versichert Leinweber. Nachzügler werden selbstverständlich auch gerne aufgenommen.

Glücklich und satt

Nach rund zwei Stunden Kochen, Braten und Backen in der Schulküche heißt es dann endlich Essenfassen. „Die Kekse habe ich am liebsten selber gemacht“, erzählt der 11-jährige Remi. Ob die restlichen Kinder denn auch zufrieden mit ihren Kochkünsten seien? „Ja“, antworten sie entschieden. Die Schüler der Hillerschule zeigen sich von dem Programm Kooperative Berufsorientierung begeistert. Lediglich der Stapel schmutziges Geschirr sorgt am Ende des Vormittages für einige etwas unglückliche Blicke. Dass auf viel Kochen auch viel Abwasch folgt, gehört aber eben auch dazu.

 

45 Niederlassungen in Baden-Württemberg

Mit einem Gartenfest, bei dem gegrillt wird, verbindet BBQ Berufliche Bildung lediglich der Name. Hinter dem Namen steckt ein gemeinnütziger Bildungsträger, der in Baden-Württemberg rund 650 Mitarbeiter in 45 Niederlassungen, hat, darunter eine in Aalen.

Die Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen bei ihrer beruflichen Entwicklung individuell zu unterstützen, darunter auch viele Schüler. Laut eigenen Angaben nehmen 26 400 Schüler an Projekten der BBQ teil.

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