Rasant mit Siebzehn

Jeder kennt es: Der 18. Geburtstag steht an und es gibt nur noch eine Frage: In welcher Fahrschule mache ich meinen Führerschein? Es gibt so viele Faktoren die zu berücksichtigen sind. Preise, Standort und auch Erfahrungswerte von Bekannten. Dennoch haben die meisten Jugendlichen nur eine Frage im Kopf: „Welche Fahrschule hat das coolste Auto?“ Yannis hat den neuen i8 und einen weiteren BMW; bei Robbys fahren die Fahrschüler mit einem Mercedes; die Fahrschule Nemeth bietet einen X1 und das A-Team kurvt mit einem Jeep Renegade durch die Gegend.

Und obwohl die Autos teilweise verschiedener nicht sein könnten, haben sie eine Sache immer gemein: sie sind mit der neuesten Technik ausgestattet. Rückfahrkamera, Spurhalteassistent und Berganfahrhilfe, um nur einige von vielen zu nennen. Und das hat auch einen ganz bestimmten Grund. Rajah Trautmann, Fahrlehrerin der Fahrschule Robbys, hat dazu ihr Statement abgegeben. Das A und O in der Fahrschule ist die Sicherheit. Und die wird, neben dem Fahrlehrer, auch durch die Mengen an Ausstattung gewährleistet. Natürlich haben die meisten Fahranfänger in ihrem ersten Auto keinen Toten Winkel Assistent, zu dem Zeitpunkt sollten sie den Schulterblick allerding auch nicht mehr vergessen. Während der Fahrstunden kann sowas zwar mal passieren, weitere Gefahren werden aber durch diesen Assistenten verhindert. Das wirkt vor Allem auf die Eltern sehr beruhigend, die sich oft große Sorgen um ihre Kinder machen, wenn diese zum ersten Mal am Lenkrad eines Autos.

Doch ist das wirklich im Interesse der Schüler oder ist das lediglich eine Verkaufsstrategie? Das Problem bei den gut ausgestatteten Autos ist nämlich Folgendes: Nicht viele der Jugendlichen können sich ein Auto mit so viel Aufmachung nach der bestandenen Führerscheinprüfung leisten. In diesen Autos findet man meist nur mit Glück elektrische Fensterheber oder eine Sitzheizung, geschweige denn eine Rückfahrkamera oder einen Spurhalteassistenten. Somit zahlen die Heranwachsenden Mengen von Geld um nach der Fahrschule erst zu lernen, wie man ordentlich am Berg anfahren kann. Auch das Spurhalten wird zum Problem, da auf einmal kein Assistent mehr da ist, um Spurhaltefehler zu beheben. Selbst das Einparken, das in der Fahrschule so gründlich und ausgiebig geübt wurde, wird später zur Herausforderung. Aber auch hierzu erläuterte mir Rajah ihre Meinung. Sie sagt, auch Eltern haben eine gewisse Verantwortung ihren Kindern, während der Zeit des Begleiteteten Fahrens, Tipps und Hilfestellungen zu geben. Außerdem seien alle Autos vom Kern aus gleich und für alle benötige man eine gewisse Grundausbildung, die jede Fahrschule hier im Landkreis gewährleiste. Des Weiteren müssten die Fahranfänger ihr eigenes Auto erst einmal kennenlernen und sich daran gewöhnen. Egal, ob es nur die Balance des Schleifpunktes oder auch die Umgewöhnung von viel zu wenig Ausstattung ist. Aber auch in ihrem späteren Leben sollten sie wissen, wie man mit solchen Autos umgehen muss, schließlich seien die Technik und das autonome Fahren unsere Zukunft und somit werde das irgendwann alles zur Standardausrüstung eines Autos gehören.

Aber nicht nur die Autos der Fahrschulen haben sich im Zuge der Digitalisierung verändert. Auch die Theorieprüfung sieht nicht mehr so aus, wie sie unsere Eltern kennengelernt haben. Während früher Papierbögen über Papierbögen gepaukt und auswendig gelernt wurden, läuft das heute alles ganz anders. Gelernt wird mit einer App, es gibt Bild- und Videofragen und die Prüfung findet an einem Tablet statt. „Das ist vor Allem sehr gut für die Umwelt, wenn man bedenkt wieviel Papier durch die Prüfungsbögen verschwendet wurde. Somit sollte man den Wandel der Technik akzeptieren, schließlich trifft die Digitalisierung irgendwann überall ein.“, so Rajah. Aber auch direkt in der Fahrschule Robbys trifft jeder Schüler auf ein weiteres Produkt der Digitalisierung. Der sogenannte Fahrsimulator. Gebaut wurde diese Maschine von einer Firma, die eigentlich Simulatoren für Rennfahrer, Piloten oder auch Astronauten herstellt. Das zeigt sich allerdings auch im Preis, denn wie Rajah mir verraten hat, liegt dieser bei dem eines Kleinwagens. Dennoch lohnt er sich für die angehenden Fahranfänger. Sie können ihn nämlich nutzen, so oft sie wollen, obwohl sie nur einmal dafür bezahlen müssen. Und auch wenn viele der älteren Generation ihn als nutzlos ansehen, weil sie so etwas früher auch nicht hatten, soll er trotzdem jedem Fahrschüler einen Erfahrungspluswert bringen.

 

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