Ready…Go!

Beim ersten Training auf dem Kunstrasenplatz am Fischerweg kamen knapp 40 Teilnehmer zusammen – eine bunt gemischte Truppe aus Profis vom Senior-Tackle-Team und vielen Neugierigen.

Team! Team! Team! Der Schlachtruf hallt noch in den Ohren nach. Dann löst sich der Kreis aus Händen auf. Das Training kann beginnen. Knapp 40 Leute joggen los. Eine halbe Runde um den Platz. Kühle Herbstluft strömt durch die Lungen. Der Kunstrasen unter den Sportschuhen federt weich. Es läuft sich leicht. „Jetzt stellen wir uns alle in einer Reihe auf“, weist Trainer Marc Fischer an. Kurzes Gewusel. In dieser Ecke des Spielfelds ist es dunkel. Das Flutlicht ist ausgefallen.

„High Knees“, „Shuffle“ und „Butt Kicks“ heißen die Übungen, die folgen. Ready . . . Go! Lauter englische Begriffe. Erinnerungen kommen hoch. 14 Jahre sind seit dem letzten Flag-Football-Training vergangen. Damals, in Kanada, auf der High School. Weiter. Seitwärts laufen, dabei die Beine überkreuzen. Bis zur Linie. Und „easy“ wieder zurück joggen. Jetzt rückwärts laufen. Das Atmen fällt schwerer. Schweißperlen krabbeln langsam unter den Haaren hervor.

Das reicht erstmal. Es wird durchgezählt. Immer abwechselnd: gelb, blau, gelb, blau. Zwei Gruppen. Alle vier Mädels in einer. Zufälle gibt’s. Werfen und Fangen wird geübt. Das Werfen wird aber eher den Jungs aus dem Senior-Tackle-Football-Team überlassen. Die haben mehr Erfahrung. Können die Weite besser einschätzen. Also „Straight“. Ready . . . Go! Einfach mit 70 Prozent Geschwindigkeit geradeaus laufen. Dabei den Ball fangen. Gar nicht so einfach.

Tipps vom Spielfeldrand

Das harte, ledrige Football-Ei ist griffig. Trotzdem landet ein Ball nach dem anderen am Boden. Frustration keimt auf. Ein Tipp vom Spielfeldrand: „Wenn der Ball von schräg oben kommt, Hände spreizen und die kleinen Finger dabei überkreuzen. Dann kann der Ball einfach reinfallen. Und nie auf die Hände, sondern immer auf den Ball schauen.“ Tipp beherzigt. Es hat geklappt! Leider beim nächsten mal schon nicht mehr.

Neuer Spielzug: „Five in“. Ready . . . Go! Fünf Schritte nach vorne, dann im 90-Grad-Winkel zur Feldmitte hin abbiegen und dabei den Ball fangen. Tipp von Coach Marc Fischer: „Die Hände zu einem Diamanten formen.“ Die gespreizten Zeigefinger und Daumen müssen sich berühren. Auch das ist wieder leichter gesagt als getan.

Water Break. schnell was trinken. Im schummrigen Licht sieht man den Dampf von den Köpfen in die Dunkelheit ziehen. Schweißgeruch steigt in die Nase. Noch ein Schluck. Flaggen anlegen. Gelbe Gummi-Gürtel mit weißer Schnalle. Links und rechts je ein gelber Bändel. Die sind mit ineinander greifenden Platikstopfen am Gürtel befestigt. In Kanada war das anders. Da waren die Flags mit Klettverschluss befestigt. Wie rum muss das jetzt eingefädelt werden? Trainer Fischer hilft: „Ich mach das immer so: Die Lasche einmal so durch und dann nach oben wieder raus. Das Gürtelende in den Gürtel reindrehen, sodass es nicht rumbaumelt. Nicht, dass der Gegner am Gürtel zieht und nicht an der Flag.“

Tackling und Spielzüge

Und weiter. Eine Gruppe übt das Tackling, die andere nochmal Spielzüge. „Five out“. Ready . . . Go! Wie „Five in“, nur von der Feldmitte weg. Zweimal falschrum gedreht. Mist. Erst Fischers Tipp, „rechter Schulterblick“, hilft. Trotzdem will das mit dem Fangen nicht so recht klappen. „Slant in“. Ein paar Schritte nach vorne, dann im 45-Grad-Winkel zur Seite weg. Ball fangen. Oder auch nicht.

Tackling. Mann gegen Mann, Frau gegen Frau. Immer zwei stehen sich gegenüber. Der mit dem Ball in der Hand muss versuchen, um den Verteidiger herumzukommen, ohne dass der ihm eine Flagge von der Hüfte zieht. Die Offense muss also wendig und schnell sein. Die Defense darf den Blick nicht von den Flags lassen. Immer mit zwei Händen nach den Hüften vom Gegner greifen. Ihm nur einen Weg geben. Dabei „shuffeln“, sich klein machen und wie ein Krebs hin und her bewegen. Geübt wird immer abwechselnd. Einmal Offense, einmal Defense. Wer eine Flag abreißen kann, muss sie hoch halten. Das klappt besser als das Ball-Fangen. Aber die Oberschenkel brennen.

Endlich eine erste Spielaufstellung. Ein Quarterback sagt den Spielzug an. Die vier vor ihm Aufgereihten führen die Spielzüge aus. Auch die haben bestimmte Bezeichnungen. Vielleicht bleiben sie beim nächsten Mal im Gedächtnis. Es ist einfach schon zu lange her. Der zweite von links spielt dem Quarterback auf dessen Kommando den Ball zu. Nach hinten, durch die gespreizten Beine. Ready . . . Go! Oder Set . . . Hut! Zuerst wieder „Slant in“. Zwei schnelle Schritte, dann einen „Pissbogen“ laufen, so der Trainer. Der Linksaußen läuft nach rechts, die Rechtsaußen nach links. Aufpassen, dass keiner zusammenrauscht. Einen Ball gefangen. Lobende Worte schallen über den Platz: „Good catch!“ Danke! Ein Lächeln.

„All Slant in“

Und wieder neu anstellen. Jetzt der „Hook“, also Haken schlagen. Ein paar Schritte nach vorn, Kopf zurück wenden und auch den Körper. Und los. Damit noch mehr Leute beschäftigt sind, kommen drei Verteidiger dazu. Immer schön den Gegner im Auge behalten. Irgendwann sucht der Quarterback aus, ob „All Slant in“ oder „All Hook“. Ready . . . Go! Gut aufpassen.

Zum Abschluss noch ein Spiel. Zwei Gruppen. Kurzpässe üben. Dabei nur einen Schritt laufen, wie im Basketball. Den Ball von der eigenen Hälfte in die gegnerische bringen. Geht der Ball beim Fangen zu Boden, ist automatisch die andere Mannschaft am Zug. Aber wie merkt man sich denn nun, wer in welchem Team ist, wenn man niemanden kennt? Nach einer chaotischen ersten Runde verteilt Fischer neongelbe Leibchen. Das klappt. Es wimmelt und wuselt. Immer in Bewegung. Immer dabei, den Gegner zu überlisten.

Abpfiff. Nochmal die Hände in den Kreis. One. Team! One. Love! Training beendet. Freude bleibt.

Weitere Trainings

Wer Flag Football auch gerne mal ausprobieren möchte, kann noch bis Ende November jeden Donnerstag von 20 bis 22 Uhr auf dem Sportplatz am Fischerweg vorbeikommen. Teilnehmer sollten älter als 16 Jahre alt sein und in Sportkleidung kommen.

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