Samana

Beim Aufeinandertreffen zweier fremder Kulturen können neue Chancen und unschlagbare Mischungen entstehen. Begeistert von diesem positivsten Gedanken der Globalisierung gründeten 15 Schüler des Hellenstein-Gymnasiums die erste Schülerfirma ihrer Schule:  Die „Global Players SGbR“. Vom Fremden zu lernen ist der Grundstein der kleinen Gruppe, auch wenn, und gerade weil das heutzutage im alltäglichen Trubel unseres „Ländles“ ab und zu untergeht.

Nach der Gründung im Sommer dieses Jahres stellten die Mitglieder der Global Players Brettspiele her und tun ihr Bestes, diese auch an den Mann zu bringen. Doch das nicht einfach so: Jedes Bestandteil der Spiele muss aus einer fairen und nachhaltigen Produktion stammen, damit das gesamte Team der Schülerfirma am Ende wirklich hinter ihrem Produkt stehen kann. Zum Verkauf steht bisher erst ein Produkt, Samana, bestehend aus einem Spielbrett mit zwei möglichen Spielvarianten. Samana selbst ist ein Erzeugnis aus dem Zusammenspiel zweier Kulturen, unserer deutschen und der indischen. Das „Ziel ist es, das Beste aus zwei Nationen, aus zwei komplett verschiedenen Welten zu vereinen“, wie Marvin Frohmaier, einer der beiden Geschäftsführer der Schülerfirma, hervorhebt.

Die Idee des Spiels entstand während der gemeinsamen Reise der Schüler nach Indien. Als die Gruppe im Herbst 2014 durch den Austausch ihrer Schule den Subkontinent besuchen durfte, lernten die Schwaben dort eine völlig andere und für sie neue Lebensweise kennen. Menschen in bunten, schillernden Gewändern, eine Sprache mit fremdartigem, flüssigem Klang, hierarchische Gesellschafts- und Benimmregeln und nicht zuletzt höllisch scharfe Geschmackserlebnisse stellten die abenteuerlustigen Reisenden immer wieder vor neue Herausforderungen. In Gastfamilien untergebracht, lernten die Deutschen in einer fremden Umgebung zurechtzukommen und bekamen ein Stück Weltoffenheit geschenkt. Natürlich gab es nach ihrem dreiwöchigen Aufenthalt einige Gründe, Deutschland zu vermissen, aber das Land der heiligen Kühe und tausend Gottheiten hatte es den Heidenheimer Reisenden auch angetan.

„Der Austausch war für mich ein unvergessliches Erlebnis, weil wir die Schönheit des Landes mit all seinen Facetten sehen durften“, schwärmt Laura Zeller, die schon seit der Reise im Global-Players-Team mitwirkt. Es gab vieles, was sich Europa von der Lebensweise der Südasiaten abgucken konnte. Also war sich die Gruppe einig: Deutschland braucht unbedingt auch ein Stückchen dieses wunderbaren Landes.

Dazu sollte das indische traditionelle Sportspiel Kabaddi dienen, bei dem es im Großen und Ganzen darum geht, seine Gegner abzuschlagen, ohne von ihnen gefangen zu werden. Gemeinsam mit ihren Gastschülern aus Mumbai entwarfen die Heidenheimer basierend auf Kabaddi das Brettspiel Samana, um es in Deutschland herzustellen und zu verkaufen. Das Spiel, welches als Zweispieler- und Zwei- bis Vierspielerversion gespielt werden kann, gründet auf dem Gedanken der Begegnung zweier gegnerischer Steine. Nach einem solchen Aufeinandertreffen ändert sich die Zugrichtung der Spielsteine. „Es tun sich neue Perspektiven im Spiel auf“, wie es auch die Schüler während ihres Austausches erlebt hätten, meint Simon Germani. Der zweite Geschäftsführer garantiert „großen Spielspaß bei jeder neuen Partie“ und warnt lachend vor der „Suchtgefahr“ der Global-Players-Eigenkreation. Das 15 bis 25 Minuten dauernde Spiel bietet die perfekte Mischung aus Glücks- und Strategievergnügen, da die Zuglänge der Spielfiguren zwar ausgewürfelt wird, dem Spieler aber immer mehrere Möglichkeiten offenstehen, wie er sein Würfelglück nutzt.

Die Prinzipien, die über der Spielproduktion liegen sind Qualität sowie faire und nachhaltige Herstellung. Jedes Teil, vom Säckchen aus echten indischen Stoffen, von traditionellen Kleidern und den Spielsteinen aus Asien bis zu den in der Schule gefertigten Spielbrettern, wurde von den Schülern auf seine ökologische und soziale Verträglichkeit überprüft. Eine große Hilfe zur Kontrolle der Teile waren der Gruppe Siegel wie der „Blaue Engel“ auf umweltfreundlichen Farben oder das Nachhaltigkeit garantierende „FSC-Siegel“ auf Holz. Jedes produzierte Spiel kann in der Schule stolz fertiggestellt und verpackt werden, um dann guten Gewissens für circa 20?Euro in den Verkauf zu gehen. „Unser Produkt ist einzigartig durch seine Internationalität“, sagt Marvin Frohmaier. Die organisierten Jugendlichen arbeiten in der Produktion mit interessierten Leuten und Schulen zusammen und suchen natürlich immer noch Betriebe oder Menschen, die gerne mitwirken würden.

Der Verkaufsstart für Samana war während dem Weihnachtskonzert des Hellenstein-Gymnasiums am 16. Dezember. Nachdem sich das Spiel schon an diesem ersten Tag super verkauft hat, haben die Schüler weiterhin vor, ihre Brettspiele an Schulveranstaltungen anzubieten. Natürlich können die Spiele auch über die Homepage globalplayers.comeze.com oder die Schule bestellt werden. Zudem bietet der Weltladen Heidenheim den Schülern eine Plattform für den Vertrieb ihrer Spiele. Am 13., 20. und 27. Februar stehen die stolzen Produzenten dort für Testspiele zur Verfügung und bekommen die Chance, für ihr Projekt zu werben. Die Schülerfirma arbeitet seit diesem Schuljahr hart an ihrem Projekt. Doch ganz ohne Unterstützung konnte es nicht gelingen. Gefördert werden sie von der Stiftung Würth, die jedes Jahr den Würth-Bildungspreis ausstellt. Er soll ökonomische Projekte an Schulen in Baden-Württemberg vorwärts bringen und auszeichnen. Finanziell und durch unternehmerische Beratungen bekommt die „Global Players SGbR“ so große Hilfen.

Für die Zukunft sind andere Produkte geplant, zum Beispiel eine App von Samana oder Ähnliches. Die jetzigen Mitglieder der Schülerfirma hoffen auf Zuwachs der Gruppe aus unteren Klassen, da die Zehnt- bis Zwölftklässler nicht mehr lange die Schulbank drücken. Doch darüber macht sich der zuständige Lehrer Holger Nagel noch keine Sorgen. Er fasst die Arbeit seiner Schützlinge so zusammen: „Auch wenn die effiziente und nachhaltige Produktion des Brettspiels nun unglaublich viele Herausforderungen bereithält, geht es nicht nur um ökonomisches Wissen und den fairen Handel, sondern besonders auch um Persönlichkeitsentwicklung und Teamwork.“

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