Vom Schreibtisch in den Schrebergarten

Nur eine kurze Yoga-Übung, so viel Zeit muss sein. Der Rücken schmerzt schon vom vielen Staubsaugen – dabei steht die Hälfte der Zimmer erst noch bevor. Der Freitag ist hart im Umwelthaus, aber ein Blick aus dem Fenster aufs glitzernde Meer macht das allemal wieder wett. Überhaupt tut die körperliche Arbeit zur Abwechslung ganz gut. Aber der Reihe nach: Drei Wochen am Meer sein und für die Übernachtungen und das Essen nichts bezahlen, das klingt doch verlockend, oder? Wer einen Freiwilligendienst absolviert, kann genau das haben. Weil es im Leben aber nichts geschenkt gibt, funktioniert das natürlich nicht einfach so: Statt Geld zu zahlen, packt man einfach mit an.

Hand gegen Koje im Umwelthaus

Ein Beispiel ist das Umwelthaus des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Neustadt in Schleswig-Holstein. Grundschulklassen gehen dort ein und aus, um etwas über die Natur zu lernen. Hilfe ist immer gern gesehen, ob im Haushalt, im Büro oder im Seminarraum. Hand gegen Koje nennt es sich, wenn ein Freiwilliger für einen vorher ausgemachten Zeitraum vor Ort übernachten und mitessen kann und im Gegenzug seine Hilfe bei den alltäglich anfallenden Arbeiten anbietet. Das heißt konkret: In der Küche Paprika schneiden statt im Büro telefonieren, draußen mit den Kindern lernen statt im Auto zum nächsten Termin fahren, im Schrebergarten Rasen mähen und Unkraut zupfen statt in eine Besprechung zu gehen. Wer seinen Alltag für eine Weile grundlegend umkrempeln will, für den kann ein Freiwilligendienst eine tolle Option sein.

Ein positiver Aspekt daran: Während man sich für ein Freiwilliges Soziales beziehungsweise ein Freiwilliges Ökologisches Jahr ein halbes bis ein ganzes Jahr Zeit nehmen muss, kann ein Freiwilligendienst nach Absprache auch nur zwei bis drei Wochen dauern. So wird die Gelegenheit auch denjenigen ermöglicht, die schon einen festen Arbeitsplatz haben oder mitten im Studium stecken.

Anlaufstellen für einen Freiwilligendienst gibt es viele, manchmal muss man aber auch ein bisschen suchen. Eine gute Adresse ist das Internet: Auf Plattformen wie www.volunteerworld.com oder www.wwoof.de sind Projekte aufgelistet, bei denen man sich tage-, wochen- oder monatelang einbringen kann. In vielen Fällen hilft aber auch die Nachfrage direkt bei den Verantwortlichen einer Einrichtung oder einer Organisation. Ob in Deutschland, im Ausland, auf einem Schiff, einer Insel, im Wald oder einem Bauernhof – Möglichkeiten gibt es einige.

Den Weg nach Neustadt haben bisher noch nicht viele Freiwillige gefunden. Allerdings arbeiten dort regelmäßig FÖJler mit. Mit denen kann man sich, egal wo man seinen Dienst absolviert, meistens zusammentun. Denn zum einen macht die Arbeit gemeinsam viel mehr Spaß, zum anderen kennen sich die FÖJler an der jeweiligen Einsatzstelle schon gut aus und können ihr Fachwissen weitergeben. Als Freiwilliger kann man bei einem Dienst daher in mehrerlei Hinsicht profitieren: Man kann sich in anderen Arbeiten ausprobieren, erfährt viel Neues, lernt überdies aber auch neue Leute und einen anderen Ort kennen. Erfrischend ist es zudem auch, befreit drauf los arbeiten zu können. Entgegen einer üblichen Vertragssituation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird man nicht bezahlt und hat bestimmte Anforderungen zu erfüllen. Stattdessen ist alles, was man anpackt, ein Plus.

Dieser Gedanke hilft beim vielen Staubsaugen der Kinderzimmer im Umwelthaus. Irgendwann ist auch der Freitag geschafft, der Muskelkater am nächsten Morgen von der Garten- und Hausarbeit wird kommen und sehr schmerzhaft sein. Doch es lohnt sich: Die Dankbarkeit der Kinder und Mitarbeit ist die Mühe allemal wert.

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