Von wegen nur Altherrensport

Reich, alt, männlich – für viele treffen diese Merkmale auf den typischen Golfer zu. Bestenfalls lässt er sich auch noch die Schlägertasche von einem Caddie hinterhertragen oder legt die Strecken gleich in einem der weißen Golfwagen zurück. Aber was ist dran an diesen Aussagen? Ist Golf wirklich nur ein Altherrensport für reiche Schnösel?

Klischees aus längst vergangenen Zeiten, erwidert Karoline Pitz vom Golfclub Hochstatt und ist dafür selbst das beste Beispiel. So ist Pitz nicht nur eine Frau, sondern mit gerade einmal 18 Jahren zudem ziemlich jung. „Es spielen nicht nur alte Männer Golf“, weiß die Aalenerin. Längst nimmt auch der Anteil der Golferinnen zu und das Durchschnittsalter ab. Zudem sind mittlerweile auch viele Normalverdiener auf den Geschmack der Ballsportart gekommen. „Bei uns stehen nicht nur Porsche und Ferrari auf den Parkplätzen“, so Pitz. Aber – und daran bestehe kein Zweifel – natürlich gebe es auch Sportler aus elitären Kreisen.

Golfkart fahren ist etwas Besonderes

Dennoch – im Alltag sieht sich Pitz des Öfteren mit Vorurteilen konfrontiert. Golf sei ja gar kein Sport und sie fahre doch nur mit Golfkarts über den Platz, hört sie von Gleichaltrigen. Doch Pitz weiß: „Eigentlich läuft jeder, der kann. Sonst wäre es wirklich gar kein Sport mehr.“ Einen Golfkart zu mieten – das sei schon etwas Besonderes.

Allerdings kann Pitz die Skepsis am Golfsport auch nachvollziehen: „Zum Zuschauen ist es wirklich nicht spannend, gerade als Laie.“ Doch wer es nicht selbst ausprobiert hat, weiß nicht, dass Golfen ganz schön anstrengend sein kann. Denn Pitz verrät, dass man mit Muskelkater in Armen und Schultern Leben können muss. Zudem erfordere das Golfen höchste Konzentration. „Es ist eine gesamtkörperliche koordinative Höchstleistung“, fasst Pitz zusammen.

Mit vier Jahren den ersten Ball geschlagen

Doch wie kommt eine junge Frau eigentlich zum Golfen? „Meine ganze Familie golft“, verrät Pitz, die diesen Sommer ihr Abitur in Aalen abgelegt hat. Als ihr Bruder mit sechs Jahren die ersten Bälle schlug, hielt es die Vierjährige kaum auf den Beinen. Sie quengelte, wollte es ihrem großen Bruder gleichtun. Und schließlich setzte sie sich durch: Mit vier Jahren sammelte sie ihre ersten Erfahrungen auf dem Golfplatz.

Vier Jahre später bestritt die damals Achtjährige ihr erstes Turnier – den Mini-Cup beim GC Marhördt im Landkreis Schwäbisch Hall, ein 6-Loch-Turnier. Das heißt, dass sechs Golfbahnen durchlaufen werden müssen. 6-Loch-Plätze sind extra für Kinder und unerfahrene Spieler ausgelegt. Regulär wird eine komplette Golfrunde hingegen über 18 Loch, also 18 Bahnen gespielt.
Als Pitz etwa neun Jahre alt war, fing sie an, den Sport ernsthafter zu betreiben. Grund dafür war vor allem Bill Pringle, der fortan als Jugendtrainer beim GC Hochstatt fungierte. „Er hat die Jugendarbeit deutlich verbessert“, erinnert sich Pitz. So habe er mehr danach geschaut, dass die jungen Golfer regelmäßig und intensiver trainieren.

Das Golfen habe ihr auch in ihrer persönlichen Entwicklung geholfen, erzählt die Aalenerin. „Als Kind war ich leicht abgelenkt, es fiel mir schwer, mich zu konzentrieren.“ Durch das Golfen habe sich das gebessert, denn man brauche viel Durchhaltevermögen. Den Ehrgeiz, ein angefangenes Spiel auch zu Ende zu bringen, entwickelte sie rasch. Vier Stunden konzentriert auf dem Golfplatz stehen, war für sie schon bald kein Problem mehr.

Zu wenig Angebot für junge Golfer

Mit steigendem Alter spielte Pitz bis zu vier Jugendturniere in der Saison. Auch bei den baden-württembergischen Einzelmeisterschaften hat sie bereits teilgenommen. Für das Drei-Tage-Turnier hat sie sogar von der Schule freibekommen. Gerne hätte sich die Aalenerin öfter mit Gleichaltrigen gemessen. Doch viele Möglichkeiten gab und gibt es nicht. „Es hat sich zwar gebessert, aber für junge Golfer gibt es nach wie vor zu wenig. Besser wäre es, wenn man schon früher bei den Damen einsteigen könnte“, bedauert Pitz. Denn bei den Damen und Herren gibt es mehr Turniere. Bei den Damen darf Pitz jedoch erst seit Ende April, nachdem sie ihren 18. Geburtstag feierte, spielen.

Gern erinnert sich Pitz an den Solheim-Cup 2015, einem Turnier für weibliche Golfprofis, bei dem sie als Volunteer (freiwillige Helferin) arbeiten durfte: „Das war ziemlich cool.“ Nicht zuletzt, weil sie ihrem Vorbild, der besten deutschen Golferin, Sandra Gal, live zusehen konnte.

Vorteile gegenüber eines Teamsports

In ihrer Freizeit spielt Pitz auch Hockey. Auch wenn ihr der Teamsport sehr wichtig ist, müsste sie sich entscheiden, würde sie wohl eher beim Golfen bleiben. „Manchmal ist es besser, für sich allein zu spielen. Da zieht keiner den anderen runter. Und: Man kann sich nur selbst die Schuld geben, wenn es schlecht läuft.“ Andersrum sieht es nicht anders aus: Denn Pitz ist ehrgeizig, möchte ihre Erfolge nicht unbedingt von der Leistung anderer abhängig machen müssen.

Teamfähigkeit braucht man also nicht, wenn man den Golfsport betreiben will. Welche Eigenschaften sind dann wichtig? „Ein gutes Körper- und Bewegungsgefühl“, weiß Pitz, „Man sollte kein totaler Bewegungslegastheniker sein.“

Aber die Aalenerin gibt auch zu: Es braucht viele Schläge und regelmäßiges Training bis der Schwung und der Winkel, mit dem der Schläger auf den Ball trifft, stimmen. Drei bis vier Mal die Woche spielt sie aktuell wöchentlich. Auch in den Ferien ist Pitz gemeinsam mit Bruder und Eltern oft Golfen, beispielsweise in Portugal am Meer. Die Familie schaut zudem große Turniere gemeinsam im Fernsehen. Beim PGA-Golf-Tour kommen da schnell mal acht Stunden zusammen. Im Hause Pitz ist Golfen eben ein richtiger Familiensport.

 

Zu Karoline Pitz

Im Sommer hat die 18-jährige Karoline Pitz ihr Abitur in Aalen abgelegt. Nun möchte sie erst einmal zu einer Großbritannien-Reise aufbrechen. Schottland hat die junge Golferin bereits erkundet. Dort gehört Golfen zum Volkssport. „Bei Turnieren herrscht eine mega Stimmung. Das ist besser als in jedem Fußballstadion“, erzählt Pitz. Vor allem der Golfplatz „Old Course“ in St. Andrews – der älteste Golfplatz der Welt – hat es ihr angetan.
Zurück in Deutschland winken ehrgeizige Ziele: „Ich möchte Jura studieren, vielleicht einmal Anwältin werden“, erzählt die Aalenerin. Denn dass sie mit dem Golfen kein Geld verdienen kann, ist ihr bewusst. Bayreuth oder Konstanz fallen als Studienorte in die engere Auswahl. Der Vorteil an Konstanz: Es gibt einen Golfclub. Das sei zwar nicht entscheidend, aber ein I-Tüpfelchen.

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