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(K)ein Traumberuf – Model Jenny Jessen im Interview

Sabine | 6. September 2014
Wer kennt sie noch? Jenny Jessen hat 2012 bei der Castingshow „Das perfekte Model“ den dritten Platz gemacht. Sie kommt eigentlich aus Giengen, ist aber vergangenes Jahr nach ihrem Abitur zwei Monate nach Hamburg gegangen, um zu modeln. Mittlerweile lebt sie mit ihrem Freund, einem australischen Rocksänger, in Berlin. Wir haben mal nachgefragt, wie ein typischer Tag im Leben eines Models aussieht.

Ist Model dein Traumberuf?

Eher nicht. Shows wie „Germany‘s next Topmodel“ beschönigen das Model-Sein sehr. Man hängt nicht nur am Strand ab, reist durch die Welt und bekommt teure Klamotten geschenkt – es ist harte Arbeit. Natürlich kann es auch Spaß machen, aber wenn du davon abhängig bist, ist es echt heftig.

Als Model ist man doch sehr viel unterwegs, stört dich das nicht?

Man muss zwar flexibel sein und ist viel unterwegs, aber man gewöhnt sich daran. Manchmal bekomme ich einen Abend vorher Bescheid, dass ich am nächsten Morgen ein Shooting habe – so bleibt die Sache spannend. Man kann sich so aber einfach kein Leben aufbauen. Deshalb habe ich mich jetzt erstmal dazu entschieden, in Berlin zu bleiben. Außerdem ist es auch aus finanzieller Sicht unberechenbar. Manchmal arbeitet man zwei Tage im Monat und manchmal zwei Wochen am Stück. Man weiß es halt nicht. Deshalb habe ich auch noch einen Nebenjob in einer Bar in Berlin.

Wann war dein letzter Auftrag?

Mein letzter Job war vor 1 ½ Wochen in München, ein Shooting für einen Katalog.

Es gibt ja viele Vorurteile gegenüber Models. Eines davon ist doch, dass Models zickig sind. Gibt es oft „Zickenkrieg“ ?

Manchmal schon, in Athen zum Beispiel habe ich mit sechs anderen Mädchen zusammen gewohnt, das war schon anstrengend. Teilweise war das dann wie im Kindergarten. Die haben sogar Sachen nacheinander geworfen. Also ich würde sagen, manche Models sind schon zickig, es gibt aber auch viele die auf dem Boden geblieben sind und total nett sind. Ich habe auch viele Freundinnen die Model sind.

Und Klischee Nummer zwei: Stimmt es, dass viele Models magersüchtig sind?

Es stimmt schon was man sagt. Ich mache aber viel Werbung und Katalog, da muss man nicht so dünn sein. Eine Freundin von mir ist mehr auf Laufstegen unterwegs und macht eher künstlerische Bilder – dabei muss man schon echt dünn sein.

Achtest du auf deine Figur oder kannst du essen was du möchtest? Muss man viel Sport machen, um schlank zu bleiben?

Es kommt immer auf den Körper an und wie gut dein Stoffwechsel ist. Ich habe Freunde, die essen alles was sie wollen und machen keinen Sport und sind trotzdem schlank. Aber ich habe auch eine Freundin, die hat sich jetzt erst mega abgehungert, damit sie nach New York kann. Ich selber sehe es mittlerweile ziemlich locker. Ich esse was ich möchte und mache Sport, wenn mir danach ist.

Bist du zufrieden mit deinem Körper?

Ich habe eigentlich 94 Zentimeter Hüftumfang, also bin ich auch keine perfekten 90 – 60 – 90. Aber die meisten Agenturen schummeln und schreiben weniger auf. Und ich passe trotzdem in jede Hose rein.

Modeln hier oder im Ausland?

In Deutschland sind die Arbeitsbedingungen besser und man wird nicht nur auf das Aussehen reduziert, aber in anderen Ländern wird man nur als Anziehpuppe gesehen. Im Ausland ist die Konkurrenz auch viel größer. Es gibt einfach so viele, so schöne Mädchen. Man muss in anderen Ländern auch viel dünner sein.

Dein schönster Job?

Erst dieses Jahr bin ich bei der Berliner Fashion Week gelaufen. Das war echt aufregend. Ich bin eigentlich nicht so das Laufstegmodel, normalerweise mache ich eher Fotoshootings. Aber das war toll. Nur die After-Show Party ist nicht so meins gewesen. Es geht nur um Äußerlichkeiten und man wird von oben bis unten gescannt, von welcher Marke man ein Kleid trägt. Ich habe mich so unwohl gefühlt. Also meine Welt ist das nicht, dass muss ich ganz ehrlich sagen.

Dein schlimmster Job?

Bei Shows ist es so, dass wenn man auf ein neues Outfit wartet, steht man zwischen 30 Leuten -einfach nur im Slip und oben ohne. Man lernt aber damit umzugehen für mich ist das mittlerweile normal. Richtig schlimm war es mal in Athen: ich musste 450 Outfits in zwei Tagen anprobieren. Ich musste vom Set zur Umkleide rennen und da standen dann fünf Leute die mir Ohrringe weggerissen haben und dann gleichzeitig Strümpfe wiederangezogen haben. Nur 10 Minuten hatte ich Mittagspause. Irgendwann habe ich gesagt ich kann nicht mehr und bin gegangen. Das musste ich aber erst lernen. Ich glaube sehr junge Models, also so 15-, 16-Jährige, die sagen immer nur ja und sind nicht mutig genug sich zu wehren.

Was sagt dein Freund dazu, dass du Model bist?

Ich habe mit ihm jemanden gefunden, der meine Lebensweise nachvollziehen kann. Er ist Musiker bei der australischen Rockband und steht deshalb auch viel in der Öffentlichkeit. Er muss auch sehr flexibel sein und kann es nachvollziehen wie es ist wenn man mal Geldprobleme hat oder man total viel unterwegs ist.

Wie bist du Model geworden?

Mit 14 Jahren wurde sie schon auf der Straße angesprochen, ob sie sich vorstellen könnte zu modeln. Damals hätte ich nie gedacht, dass ich das kann. 2012 habe ich dann bei der Castingshow „Das perfekte Model“ mit Model Eva Padberg mitgemacht und den dritten Platz gemacht. Jetzt bin ich schon seit fünf Jahren Model.

Vor zwei Jahren, da warst du ja gerade mal 16 Jahre alt, als du bei der Castingshow „Das perfekte Model“ den dritten Platz gemacht hast. Dachtest du danach, dass du erfolgreich modeln wirst?

Naja so mega erfolgreich bin ich ja gar nicht. Als ich vergangenes Jahr mit der Schule fertig war, habe ich das alles total verbissen gesehen und da ist gar nichts gelaufen. Seit ich alles etwas lockerer sehe, läuft es voll gut. Mittlerweile genieße ich auch die Flexibilität. So habe ich viel Zeit zu Reisen. Zum Beispiel war ich vergangenen Winter in Australien und diesen gehe ich zweieinhalb Monate nach Thailand.

Wie wird’s in Zukunft weitergehen? Modeln kann man ja nicht ewig, irgendwann ist man zu alt dafür. Hast du einen Plan B?

Jetzt bin ich zwar erst 19 Jahre alt, aber ich habe mir schon Gedanken gemacht, wie es weiter gehen soll. Vor allem stört mich, dass ich meine Persönlichkeit und meinen Charakter beim Modeln nicht miteinbringen kann. Deshalb möchte ich jetzt gerne Schauspielerin werden. Letztens war ich bei einem Schauspielcoach und die meinte auch ich sei ziemlich gut und dass sie mich gerne unterrichten will. Dass fange ich dann Ende Januar an.

Gibt es noch etwas, was du bevor du mit dem modeln aufhörst, machen möchtest?

Früher hatte ich mal eine Liste, was ich alles machen möchte. Eine Sache konnte ich dieses Jahr abhaken – ich habe einen Werbespot für ein Onlineportal gedreht. Mittlerweile gibt es die Liste nicht mehr. Aber eine Sache die ich noch gerne machen würde: Einmal ein Cover in der Hand halten mit mir vorne drauf.

Du hast ja am Hellenstein Gymnasium Abitur gemacht. Hast du nicht Lust zu studieren?

Ich habe so früh Abi gemacht. Ich war gerade mal 17 Jahre alt. Viele aus meinem Abiturjahrgang haben angefangen irgendwas zu studieren und jetzt abgebrochen. Ich möchte warten bis ich das Eine finde, bei dem ich denke: „Ja das ist es!“ Ich glaube, das hat das Modeln und das Reisen aus mir gemacht.

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Geschrieben von Sabine




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