Ein kleiner Dämpfer vor dem großen Drama

Und mal wieder eine Single aus dem Nichts. Während normalerweise ein neuer Song wochen- oder zumindest tagelang angekündigt wird, setzt Shindy seit seinem Deutschrap-Comeback im Januar nach zwei Jahren kompletter Abwesenheit auf eine kurze Info auf seinem Instagram-Account, lediglich einige Stunden bevor um Mitternacht der neue Song veröffentlicht wird.

Dass der Rapper, mit bürgerlichem Namen Michael Schindler, eine normale „Promo-Phase“ nicht benötigt, zeigen die Klicks für seine Singles auf Youtube. So auch bei „EFH“ (Link), welches der gebürtige Schwabe in der Nacht auf vergangenen Freitag releaset hat. Bis Sonntag wurde der Song schon mehr als 2,6 Millionen Mal aufgerufen.

Der Hype ist also real, wie man es im Rap-Jargon so ausdrückt. So weit, so gut. Wer allerdings die letzten Lieder des 30-Jährigen gehört hat, wird von „EFH“ enttäuscht sein. Während Shindys letzter Track „Nautilus“ noch durch seinen orientalischen Touch überzeugte, wirkt der Beat von „EFH“ zu monoton und dumpf. Tanzgefühle kommen da nicht auf. Nostalgie? Fehlanzeige! Sampelte Shindy in seinen letzten Liedern noch Künstler*innen wie Whitney Houston, DMX, 50 Cent oder Aaliyah, wird darauf musikalisch in „EFH“ komplett verzichtet.

Lediglich der Anfang des Musikvideos, in dem ein Teenager-Junge seinen Vater, den übrigens GZSZ-Darsteller Wolfgang Bahro spielt, aussperrt, um Shindys neuen Song zu hören, erinnert stark an Michael Jacksons Video zu „Black or White“. Textlich wird die für Deutschrap typische Aussage vermittelt: „Ich hab‘ viel mehr Geld als ihr alle und bin sowieso der Allergeilste“. Kritikfähig ist das allerdings nicht wirklich, es ist eben Deutschrap, da darf und will man auch nichts anderes erwarten. Shindy „pusht Einfamilienhäuser durch die Stadt“, deshalb auch der unkonventionelle Liedtitel „EFH“.

Kurze Erklärung für alle Deutschrap-Laien: Einfamilienhäuser stehen hier für Luxuskarosserien im Wert einer solchen Immobilie. Als gebürtiger Schwabe gibt es da natürlich nicht viel Auswahl: „Da wo ich herkomm‘ gibt’s nur zwei Optionen: Porsche und Daimler“.

Was zu einem „guten“ Deutschrap-Song selbstverständlich auch dazu gehört, sind Provokationen gegen andere Rapper. Diesmal ist Shindys altes Label „Ersguterjunge“ dran, bei dem er jahrelang gemeinsam mit seinem ehemals guten Freund Bushido musikalisch erfolgreich war. „An mein altes Label danke für die Chance, die recorden da anscheinend nicht nur Songs“ heißt es da.

Gemeint ist wohl Arafat Abou-Chaker, Mitglied einer arabischen Großfamilie und früher ebenfalls bei „Ersguterjunge“ beteiligt, der scheinbar über Jahre heimlich die Telefonate seiner Geschäftspartner mitgeschnitten hat.

„EFH“ war ein kleiner Dämpfer. Die Messlatte hat er mit seinen letzten Liedern aber auch schon extrem hochgelegt. Deshalb kann Shindys fünftes Album „Drama“, auch wenn es nicht aus dem Nichts, sondern am 12. Juli veröffentlicht wird, trotzdem mit Vorfreude erwartet werden.

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