Alles auf Anfang

Die Heidenheimer Band „Mira Wunder“ konnte live schon einige Erfolge feiern, unter anderem dürften die vier Musiker schon als Vorband von Christina Stürmer, „The Boss Hoss“ und Jennifer Rostock auftreten. Und das obwohl die Nachwuchs-Band erst im August 2013 gegründet worden ist. Das erste Album („Alles auf Anfang“) der vier Nachwuchs-Musiker lässt sich anhören.

Der Name „Mira Wunder“ hat eine doppelte Bedeutung: Es gibt ein Sternbild mit dem Namen Mira und Mira ist auch der lateinische Begriff für „Wunder“. Das Zentrum der Band ist die Heidenheimerin Alexandra Janus (Gesang). Die Sängerin ist auch auf dem CD-Cover zu sehen. Durch ihre sehr kraftvolle und rauchige Stimme, sorgt sie für das gewisse Extra. Und durch ihr kontroverses Aussehen sticht sie aus der Gruppe deutlich heraus.

Besonders markant sind ihre roten Lippen mit dem weißen Strich in der Mitte. Knappe Hosen und T-Shirts lassen sie sehr sexy erscheinen, aber durch ihre schwarze Hornbrille wirkt sie auch etwas streng. Knallige Farben bei der Klamottenwahl sorgen für eine gewisse Verspieltheit. Sowohl die Stimme als auch ihr Aussehen erinnern an Rockröhre Jennifer Rostock.

Rockröhre im Mittelpunkt

Für die Musik von „Mira Wunder“ sorgen die drei Jungs der Band. Sie kommen aus dem Großraum Stuttgart, darunter Sascha Schmidt ebenfalls am Gesang beteiligt, spielt aber zusätzlich auch am Bass. Björn Elser findet man an der Gitarre und die Drums werden von Martin Knopf bedient.

Sascha und Björn sind auch für die Texte zuständig. In einfachen und klaren Worten erzählen sie in ihren Texten ganze Geschichten – vor allem im zweiten Song „Irgendwie anders“. Dieser handelt von einem Paar, das sich wohl in verschiedene Richtungen entwickelt und kurz vor der Trennung steht. Man es aber noch nicht wahrhaben will. Sicherlich ein Thema, das viele anspricht.

Die Sprache und die Themen, mit denen sich die Band beschäftigt, erinnern etwas an die Band „Juli“ oder an „Silbermond“. Es wird gerne vom Meer und Regen und von Wolken, die die Sterne verhüllen, erzählt  und alles dreht sich irgendwie um Veränderungen – um Zeit und Beziehungen.

rockiger Sound und Freche Lyrics

Aber die Band hat auch fetzige Songs zu bieten. „Alles auf Anfang“, der erste Song des gleichnamigen Albums hat einen rockigen Sound und freche Lyrics – man will am liebsten gleich aufstehen und springen, lauthals mitsingen. Janus singt von Partymachen, weggehen einfach mal ein bisschen arrogant sein – sich nicht kümmern, was die anderen sagen. Das ist doch genau das, was alle irgendwie machen wollen.

Der mit Abstand beste Song des Albums, ist „Straßen von Berlin“. Dieser hat durchaus das Potenzial zum Hit. Schon nach dem ersten Mal hören, bleibt er sofort hängen – definitiv ein Ohrwurm. Was bestimmt auch daran liegt, dass der Song deutlich weniger Text hat als die anderen Lieder auf dem Album. Aber gerade deshalb kann man sofort mitsingen.

Die Single wurde bereits im August veröffentlicht. Seitdem haben schon fast 900 Menschen das Video zu die „Straßen von Berlin“ auf Youtube angeschaut.

Neuer Hit „Strassen vo berlin“?

Der Song ist im Prinzip ein Kompromiss aus den ersten beiden Songs des Albums – er hat ruhige Passagen, aber auch – schnellere. Sehr schön wird die Spannung aufgebaut und dann beim Refrain – „Lass die Zeit perfekt sein“ – entlädt sich die Energie.

Eher schwach erscheint dagegen der Song „Millionen Moleküle“. Zwar wurde zwischendrin experimentiert und auch der Bassist unterstützt den Gesang. Doch so richtig ausgereift scheint die Konstellation mit Gesang, Background-Gesang und Musik noch nicht zu sein. Schön ist auch hier wieder der Text, es ist ein Liebeslied über Gefühle, über Anziehungskraft zwischen Menschen – eine Liebeserklärung.

Leider hat das neue Album nur fünf Songs, doch mit dem letzten Song auf der Scheibe haben die vier Musiker richtig etwas gewagt. Sie haben „Remmidemmi“, den Partyhit der Band „Deichkind“ gecovert. Am Anfang kommen nicht die harten Bassbeats, sondern ein Klavier spielt langsam, ruhig und melancholisch – eine ganz interessante Herangehensweise an den Song. Zumal die raue Stimme von Alex durch das sanfte Klavier im Hintergrund sehr gut ins Szene gesetzt wird. Die ruhige melancholische Akustikgitarre untermalt vielleicht noch besser die Botschaft des Songs bzw. durch die ruhige Version von „Remmidemmi“ bekommt der Song eine ganz neue Botschaft: Jeder geht feiern, und tut so, als ob er glücklich ist, aber eigentlich hat jeder mit seinen Problemen zu kämpfen.

Krawall und „Remmidemmi“

Doch die Version von „Deichkind“ ist so dominat im Kopf, dass man bei der „Mira Wunder“-Vertonung die ganze Zeit darauf wartet, dass das Lied irgendwann richtig los geht und wieder zum Partysong von „Deichkind“ wird. Ohne die Bassbeats geht dem Song die Energie verloren.

Alles in allem ist das Album nett anzuhören, die Band unterstützt perfekt den Gesang von Alexandra Janus und auch die Texte geben etwas her. „Mira Wunder“ sollten sich aber entscheiden, ob sie eher auf „Gute-Laune-Musik“ oder auf tiefsinnige Balladen setzen wollen. Generell war das Album fast etwas zu brav, vor allem wenn, man die Band schon eimal live gesehen hat, denn die Vier können auch richtig abrocken.

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