Poetry Slam

Junge Leute sind nur mit ihren Smartphones beschäftigt, interessieren sich nicht für Literatur, geschweige denn Poesie? Dass das nicht stimmt, bewiesen die sieben Teilnehmer des Heidenheimer Poetry Slams im ausverkauften Café Swing. Kaum hatte sich der letzte Besucher einen Platz auf dem Boden ergattert, erklärte Veranstalter und Moderator Hanz die Spielregeln.

Katja Hofmann aus Halle eröffnete die erste Runde – und die Blondine machte es den folgenden Slammern nicht einfach: Mit viel Witz und einer Prise Sarkasmus hatte sie das Publikum mit ihrem Text „Ich hasse das“ bald auf ihrer Seite. Egal, was sie tue, ihr fehle immer noch ein Groupie – im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, die dazu nur ein paar Grübchen in den Wangen bräuchten. Sie fordere daher die Quote: „Einen Groupie für jeden“. Mit großem Applaus wurde sie prompt ins Finale gewählt.

Aus Regensburg kam Thomas Spitzer, der ein ungewöhnliches Thema wählte: Einen Text gegen die Sprache. „Alle jammern über den Verfall der Sprache, sobald jemand drei Mal Babo sagt“, so Spitzer. Ihm sei die Sprache „scheißegal“. Seine Wortspiele lösten Lachanfälle aus, so auch, als er von der Mundharmonika sprach. „Das kann ein Musikinstrument sein, aber auch eine bärtige Monika.“ Dieses Sprachkunstwerk gegen die Sprache brachte auch ihn ins Finale.

Der Münchner Alex Burkhard spielte bei seiner Erzählung von drei Kumpels gekonnt mit der Stimme. Letztendlich reichte es aber nicht für die Endrunde, genauso wenig wie für die Gedichte von Martin Szegedi aus Heidenheim, und für die Gerstetterin Laura Gommel, die in ihrem Text „Frei sein“ über Vorurteile und Schubladendenken sprach.

Nachdenklich ging es bei Julian Kalks aus Nürnberg zu. Mit einem schüchternen „Hallo“ begrüßte er das Publikum, überzeugte dann aber mit seiner „Rastplatzcollage“. Dabei sprach er von der Toilettenfrau, vom Familienvater, der keinen Bock auf Familie hat, und vom Leben eines Lkw-Fahrers, der das Vagabundenleben satthat. Lyrisch und mit einem besonderen, akzentuierten Erzählrhythmus zog er die Gäste in seinen Bann und kam ins Finale.

Der vierte und letzte Finalist war Tino Bomelino aus Stuttgart, der auf komische, fast schon kindische Art und Weise über das „Witzhaustier“ erzählte. Dabei sprach er von einem Mops, der der „ironischste Running Gag“ der Geschichte sei: ein winziger „Sabbersack“. Erst nach und nach merkten die Gäste, dass Bomelino umschwenkte auf den „mopsigen Schwaben“ und damit den Moderator auf die Schippe nahm, denn: sein Haustier heiße Hanz. Grund genug, ins Finale zu kommen.

Und da kam es zu einem wahren Wortgefecht. Julian Kalks erzählte selbstironisch, fast nüchtern vom seinem Berufsbild, dem männlichen Erzieher: Der einzige Vorteil dabei sei, dass die Frauen Erzieher so niedlich fänden. Thomas Spitzer spielte erneut mit der Sprache und nahm Redewendungen unter die Lupe. „Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, mach Limonade draus – was soll das, als ob das Leben als Postbote vorbeikommen und das sagen würde“, so Spitzer. Richtig böse und sarkastisch sprach Tino Bomelino über das WG-Leben mit seiner Freundin, die aussehe wie eine zerdatschte Mango. „Tino ist wohl bald wieder Single“, so Hanz.

Doch das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Die 27-jährige Katja Hofmann las nicht einfach nur vor, sie machte eine richtige Show aus ihrem Text. „Ich hasse das II“. Überzeugend, wunderbar ehrlich und direkt zählte sie Liebesfilme, Wurstfinger und ständig rutschende Strumpfhosen auf. Sie hasse Leute, die meinen, sie sei keine echte „Gangsta-Rapperin“: Prompt bewies sie das Gegenteil. Das Publikum war begeistert, und Hofmann landete verdient vor Kalks auf Platz eins. „Die Erste bekommt Rum, der Zweite Cola, der Dritte eine Limette und der Vierte ein paar aufs Maul“, kündigte Stimmungsmacher Hanz an. Da sich Tino Bomelino und Thomas Spitzer den dritten Platz teilten, scherzte der Moderator: „Dann gebt ihr euch gegenseitig eine Ohrfeige und reibt je eine halbe Limette ins Auge.

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